Ärzte Zeitung, 28.10.1998

Diabetes mellitus / Neues gentechnisch hergestelltes Insulin-Analogon HOE 901 wird derzeit klinisch geprüft

Basal-Insulin-Analogon senkt Hypoglykämie-Risiko

Frankfurt/Main (hsr). Mit einem neuen gentechnisch hergestellten, langwirksamen Basis-Insulin-Analogon lassen sich offenbar weniger schwankende Hormonspiegel erzielen als mit bisherigen Basis-Insulinen. Die Gefahr nächtlicher Hypoglykämien ließe sich damit senken.

HOE 901, so die Prüfbezeichnung des Insulin-Analogons, stammt, wie bereits berichtet, aus der Forschung des Unternehmens Hoechst Marion Roussel (HMR). Das Insulin-Analogon wird derzeit in Phase-III-Studien geprüft, ist über 24 Stunden wirksam und wird langsam sowie gleichmäßig freigesetzt. Das hat Professor Werner Kramer auf einem internationalen Symposium aus Anlaß des Jubiläums "75 Jahre Insulin Hoechst" in Frankfurt am Main berichtet.

Wie der HMR-Forschungsleiter der Indikationsgruppe "Stoffwechselerkrankungen" erklärt hat, ist bei HOE 901 die B-Kette des Insulinmoleküls am Carboxylende um zwei Argenine verlängert und das Asparagin in der A-Kette durch Glycin ersetzt worden. Diese Strukturvarationen machten das Molekül im physiologischen pH-Bereich schwer löslich. Diese Eigenschaft scheine, so Kramer, eine erste Voraussetzung für die verzögerte und verlängerte Aufnahme des Insulin-Aalogons in den Blutkreislauf zu sein.

Nach Aussage des Wissenschaftlers kann dies bei Humaninsulin oder tierischen Insulinen nur mit Hilfe präformierter kristalliner oder amorpher Komplexe unter Verwendung spezieller Hilfsstoffe, zum Beispiel Protamin, erreicht werden. Ausschlaggebend für die stark verlängerte Wirkung von HOE 901 seien aber ganz offensichtlich zusätzliche strukturelle Faktoren, für die sich Hinweise aus der Kristallstrukturanalyse ergeben hätten.

Bei Auswertung erster klinischer Daten bezogen auf die Eignung des Analogons als basales Insulin für die Nacht konnten nach Angaben von Kramer niedrigere Nüchtern-Plasma-Glukosespiegel als mit anderen Verzögerungsinsulinen erreicht werden. Das flache Wirkungsprofil ohne Insulinspitzen sei, so der Biochemiker, mit einem verringerten Hypoglykämierisiko verbunden gewesen.

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