Was die DCCT-Studie für die Diabetes-Therapie bedeutet*.


 

Im Juni 1993 wurde in den USA nach 10jähriger Dauer der „Diabetes Control and Complications Trial" (DCCT; deutsch: Studie zur Kontrolle von Diabetes und Komplikationen bei Diabetes) abgeschlossen, das bisher größte und aufwendigste Forschungsprojekt, das je zu Diabetes durchgeführt wurde. 

Zielsetzung der Studie

Die Studie sollte zeigen, ob durch geeignete Insulintherapie, Schulung und Blutzuckerselbstkontrolle das Auftreten von Folgeschäden verzögert oder sogar verhindert werden kann. Als „Test-Folgeschaden" wurde die diabetische Retinopathie (Augenerkrankung) gewählt, da sie sich in ihrem Verlauf gut beobachten läßt. 

Die Studien-Teilnehmer

In die Studie waren insgesamt 1.400 Typ-1-Diabetiker eingeschlossen, die in 2 Gruppen unterteilt und wie folgt therapiert wurden: 
 

Gruppe 1

Konventionelle Insulintherapie (CT)
  • 1 bis 2 Blutzuckerkontrollen täglich
  • keine vorher festgelegten Zielwerte für Blutzucker und HbA1C
 

Gruppe 2

Intensivierte Insulintherapie (ICT)
  • 4 oder mehr Blutzuckerkontrollen täglich
  • vorher festgelegte Zielwerte für Blutzucker und HbA1C
  • intensive Beratung und Änderung der Lebensführung
 

 

 

Allgemeine Ergebnisse der Studie 

Die Ergebnisse zeigen eindeutig, daß diejenigen Patienten, die nach der intensivierten Insulintherapie behandelt wurden, eine viel bessere Blutzuckereinstellung aufwiesen. 
 
 
Parameter Maßeinheit CT ICT
HbA1C % 8,9 7,2
Mittlerer Blutzuckerspiegel mg/dl 231 155
mmol/l 12,8 8,8
 

Langfristige Effekte auf die Entwicklung und das Fortschreiten der Retinopathie

Ausbruch und Fortschreiten der Retinopathie wurden dokumentiert, indem alle 6 Monate Aufnahmen von den Augen der Patienten gemacht wurden. Im Vergleich zur konventionellen Gruppe war das Auftreten und Voranschreiten der Retinopathie über die Jahre bei der intensiviert behandelten Gruppe deutlich geringer, und zwar um 

  • 60% (bei Patienten ohne Retinopathie zu Beginn der Studie) und um
  • 54% (bei Patienten, die zu Beginn der Studie bereits unter einer Retinopathie litten).

 

 

 

 

 

Ähnlich positive Effekte der intensivierten Insulintherapie wurden auch für die diabetische Nierenerkrankung, Nervenerkrankungen und bzgl. der Gefäße festgestellt. 

Der Zusammenhang zwischen Entwicklung der Retinopathie und dem HbA1C Wert

Je höher der HbA1C Wert, desto gravierender die Retinopathie: Ein geringer HbA1C Wert weist auf eine gute Blutzuckerkontrolle hin, d. h. auf ein geringeres Risiko, an einem Folgeschaden zu leiden. 

Nachteile der intensivierten Therapie

Die Nachteile der intensivierten Insulintherapie sind eine (über 10 Jahre gesehen) im Schnitt um 10 Pfund höhere Gewichtszunahme und das häufigere Auftreten von Unterzucke-rungen (Hypoglykämien). 

Zusammenfassung

Insgesamt waren bei den Patienten unter einer intensivierten Insulintherapie die auftretenden Komplikationen weniger häufig und weniger gefährlich als bei den konventionell behandelten Patienten. Die Vorteile der strengen Blutzuckerselbstkontrolle beschränkten sich nicht auf eine bestimmte Patientengruppe. Sie waren bei Männern und Frauen, Erwachsenen und Jugendlichen, Menschen, die erst seit kurzem und solchen, die bereits seit längerem an Diabetes erkrankt waren, gleichermaßen wirksam. Das traf auch auf Patienten zu, die vor Testbeginn sehr unterschiedliche Blutzuckerwerte hatten. 
*Original-Literaturquelle: The Diabetes Control and Complications Trial Research Group New England Journal of Medicine, Volume 329 (14), Seite 977, (1993) 
 

 

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