Ärzte Zeitung, 29.7.1999

Diabetes und körperliche Aktivität / Ausdauertraining erhöht die periphere Sensibilität für Insulin und Katecholamine

Worauf Diabetiker beim Sport achten müssen

Bad Lauterberg (grue). Diabetiker können und sollen Sport betreiben. Dabei sind aber einige Grundsätze zu beachten.

Typ-1-Diabetiker, die Sport treiben, sollten grundsätzlich belastungsinduzierten Hypoglykämien vorbeugen, so der Sportmediziner Professor Klaus Völker von der Universität Münster. Vor einer ganztägigen, mäßig anstrengenden Belastung - etwa einem Wandertag - kann die morgendliche Insulindosis reduziert werden. Stehen kürzere Ausdauerbelastungen bevor, wird am Abend zuvor weniger Insulin gespritzt. "Wer sich regelmäßig und nicht zu intensiv sportlich betätigt, also etwa am Schulsport teilnimmt, kann den Blutzuckerabfall meist durch Zufuhr von Kohlenhydraten ausgleichen", sagte Völker auf einer Veranstaltung des Unternehmens Wörwag in Bad Lauterberg.

Während des Trainings sollten insulinpflichtige Diabetiker außerdem schnell resorbierbare Kohlenhydrate in Reserve halten. "Ausdauertraining erhöht die periphere Sensibilität gegenüber Insulin und Katecholaminen, es wird also mit weniger Insulin mehr Zucker in die Zellen geschleust", so Völker. Es lasse sich aber kaum abschätzen, wie stark der Blutzuckerspiegel bei Belastung falle - regelmäßige Blutzuckerkontrollen vor, während und nach sportlicher Betätigung sollten deshalb für Typ-1-Diabetiker selbstverständlich sein.

Weil die Glukosehomöostase bei Diabetikern gestört ist, können auch Hyperglykämien in Verbindung mit Muskelarbeit gefährlich sein. Jeglicher Sport verbiete sich bei Blutzukkerwerten über 250 Milligramm pro Deziliter, so Völker. Sport verbessere zwar nicht die diabetische Stoffwechsellage von Typ-I-Diabetikern, könne aber vermutlich deren Langzeitprognose günstig beeinflussen.

"Im übrigen müssen Typ-1-Diabetiker nicht so sehr zum Sport animiert werden, das tun die von allein - das ist eher ein Problem der meist übergewichtigen Typ-2-Diabetiker", so Völker. Gerade diese Patienten profitierten aber am meisten vom Sport. Ihnen falle der Einstieg meist leichter, wenn sie zunächst nur ihre Alltagsaktivitäten steigern. Vermehrte Muskelarbeit - ob beim Sport oder der Gartenarbeit - berge allerdings Risiken, wenn bereits mikro- oder makroangiopathische Störungen vorliegen, sagte Völker.

Diabetiker mit schweren Neuropathien, Retinaschäden, Nierenerkrankungen oder Störungen der Schweißsekretion sollten sich beim Sport aber eher zurückhalten. 

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