Ärzte Zeitung, 13.04.1999 

Diabetes mellitus / Frühe Behandlung mit Repaglinide

Diabetestherapie - Der Patient bestimmt, wann er ißt, nicht die Arznei

Wiesbaden (ikr). Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes wird häufig erst viele Jahre nach Beginn der Erkrankung mit der Behandlung begonnen. Nach den Ergebnissen neuer Studien erscheint eine frühe effektive Behandlung jedoch vorteilhaft, was die Spätkomplikationen betrifft. Zur medikamentösen Therapie im Frühstadium des Diabetes eignet sich nach Angaben von Dr. Rolf Renner vom Diabeteszentrum des Klinikums München-Bogenhausen die neue insulinsekretionsfördernde Substanz Repaglinide oder aber ein kurzwirksames Insulin.

Die Korrelation zwischen Blutglukose-Wert und kardiovaskulären Komplikationen beginnt bereits bei klinisch noch nicht manifestem Diabetes, also in einem Stadium, in dem der Nüchtern-Blutglukose-Wert meist noch normal ist. Darauf hat Renner beim Internisten-Kongreß in Wiesbaden hingewiesen. Postprandial sei die Glukose nach einer kohlehydratreichen Mahlzeit oder während eines oralen Glukosetoleranztestes jedoch auch in einem solchen Krankheitsstadium bereits erhöht im Vergleich zur Normalbevölkerung.

Die postprandiale Hyperglykämie sowohl bei gestörter Glukosetoleranz als auch bei bereits manifestem Diabetes ist wahrscheinlich von zentraler Bedeutung für die Entstehung von Spätkomplikationen, wie Professor Rüdiger Landgraf vom Diabeteszentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München bei einem von dem Unternehmen Novo Nordisk veranstalteten Satellitensymposium gesagt hat. Außer durch nicht-pharmakologische Maßnahmen wie die Einschränkung des Genusses schnell resorbierbarer Kohlehydrate oder die Reduktion der Kalorienmenge lassen sich postprandial erhöhte Blutglukose-Werte auch medikamentös reduzieren. Für Patienten mit noch ausreichender Insulinsekretion, vor allem bei frisch diagnostiziertem Typ-2-Diabetes, eignet sich nach Angaben von Landgraf der Insulinsekretionsförderer Repaglinide.

Die Substanz ist der erste Vertreter einer neuen Substanzklasse, den prandialen Glukoseregulatoren. Sie entfaltet ihre insulinsekretionsstimulierende Wirkung über eine Hemmung der ATP-sensitiven Kaliumkanäle der Beta-Zelle. Anders als die klassischen Sulfonylharnstoffe führt der neue Wirkstoff zu einer schnellen, kurzwirksamen Insulinfreisetzung. Wird das Mittel zu den Hauptmahlzeiten eingenomen, können nach Angaben von Landgraf die dadurch bedingten postprandialen Blutzuckerspitzen abgefangen werden. Von der starren Therapie, bei der die Mahlzeiten nach der morgendlichen Tabletteneinnahme streng eingehalten werden müssen, könne auf eine flexiblere Therapie übergegangen werden, bei der die Tabletten mahlzeitenbezogen eingenommen werden. Landgraf: "Der Patient bestimmt, wann er ißt, und nicht das Medikament." Ein wichtiger Vorteil der Substanz sei vor allem die relativ niedrige Rate an Hypoglykämien.

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