Ärzte Zeitung, 14.5.1999

Diabetologe John Nolan: UKPDS hat Bedarf an neuen Diabetes-Medikamenten belegt

Mit neuartigen Antidiabetika wird erstmals die Insulinresistenz beeinflußt

Franfurt am Main (bös). "Studien wie die kürzlich veröffentlichte UKPDS (United Kingdom Prospective Diabetes Study) zeigen uns eigentlich, wie schlecht die Behandlung von Typ-2-Diabetikern bei uns ist", sagt Professor John Nolan aus Dublin.

Der irische Diabetologe folgert daraus, daß ein Bedarf für neuartige Antidiabetika besteht. Ein solcher neuer Wirkstoff ist mit dem Insulinsensitizer Rosiglitazon bei der 34. Jahrestagung der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) in Frankfurt während eines Satellitensymposiums des Unternehmens SmithKline Beecham vorgestellt worden. Die Hoffnungen, die auf das Thiazolidin-Derivat gesetzt werden, sind groß. Denn das Prinzip ermöglicht es erstmals, pharmakologisch die Insulinresistenz zu beeinflussen, die als der grundlegende Pathomechanismus des Typ-2-Diabetes gilt. Die Studien mit Rosiglitazon bei Diabetikern waren sehr erfolgreich, wie Rosak berichtete. Durch die Behandlung kann der Hba1c-Wert um einen Prozentpunkt (etwa von 8 auf 7 Prozent) gesenkt werden. Dies gilt selbst dann, wenn der Insulinsensitizer zusätzlich zur Maximaldosis eines anderen Antidiabetikums, etwa Metformin, gegeben wird. Auch Sulfonylharnstoffe und Insulin sind in Kombination mit dem neuen Wirkstoff getestet worden. Jedes Mal konnte die Stoffwechseleinstellung durch die Zugabe des Glitazons signifikant gebessert werden.

Da Rosiglitazon die Insulinsensitivität erhöht, haben die Patienten trotz besserer Einstellung niedrigere endogene Hormonspiegel, also eine geringere Hyperinsulinämie. Wird Rosiglitazon in Kombination gegeben, muß daher, um Hypoglykämien zu vermeiden, die exogene Insulinzufuhr reduziert oder die Dosis der Insulinproduktion stimulierende Antidiabetika nmüsse 5reduziert werden. Die Markteinführung von Rosiglitazon ist für Ende 1999 geplant.

Copyright © 1999 Ärzte Zeitung Email: info@aerztezeitung.de

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Mit neuartigen Antidiabetika wird erstmals die Insulinresistenz beeinflußt
Ärzte Zeitung
Glitazone stimulieren Rezeptor im Fettgewebe Ärzte Zeitung
Studien mit Rosiglitazon verlaufen vielversprechend
Ärzte Zeitung
Aufbruchstimmung durch vielversprechende orale Wirkstoffe   Ärzte Zeitung

 

 


Ärzte Zeitung, 14.5.1999

Glitazone stimulieren Rezeptor im Fettgewebe

Wie wirken die auch Glitazone genannten Wirkstoffe, zu denen außer Rosiglitazon Troglitazon und Pioglitazon gehören? Nach Professor Hans-Ulrich Häring aus Tübingen stimulieren diese Wirkstoffe einen Kernrezeptor: den Gamma-Subtyp von PPAR (Peroxisom proliferator activated receptor). Der Rezeptor, hauptsächlich im Fettgewebe vorhanden, reguliert die Expression vieler Gene, die etwa an der Lipolyse und Anti-Lipolyse, aber auch an der Insulinsignalkette beteiligt sind und die Adipogenese etwa über die Leptinfreisetzung steuern. Sicher sei, daß die Insulinsensitivität erhöht und die insulinstimulierte Glukoseaufnahme gesteigert werde. Es scheint auch zur Umverteilung von Fettdepots zu kommen. Die Konzentration freier Fettsäuren sinkt, LDL-Cholesterin steigt leicht, ebenso das HDL-Cholesterin. Widersprüchlich sind Daten zur Tumorgenese: Einerseits ist es gelungen, durch ein Glitazon Mammakarzinomzellen in ausdifferenzierte Adipozyten umzuwandeln, andererseits konnte bei Tieren mit Disposition für Darmtumore ein Kolonkarzinom induziert werden. Unklar ist auch, in wie weit Glitazone die Umwandlung von Makrophagen in Schaumzellen und damit die Atherosklerose beeinflussen.

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