Ärzte Zeitung, 2.7.1999

Typ-2-Diabetes / Großes Interesse an Insulinsensitizern auf der Tagung der American Diabetes Association in San Diego

Hinweise, daß Glitazone Diabetes-Spätkomplikationen beeinflußen

San Diego (bös). Sie waren die absoluten Stars der diesjährigen Tagung der American Diabetes Association (ADA) in San Diego im US-Staat Kalifornien: die neuen, auch als Glitazone bezeichneten Insulinsensitizer. Mehrere hundert Poster und Vorträge beschäftigen sich mit diesen Wirkstoffen. Die Veranstaltungen zu diesem Thema waren überfüllt, viele interessierte Zuhörer fanden keinen Einlaß mehr.

Die Begeisterung für diese Substanzen, die auch er für "einzigartig" hält, erklärt Professor Barry J. Goldstein, Diabetologe aus Philadelphia im US-Staat Pennsylvania, vor allem mit dem neuartigen Wirkprinzip: Die Glitazone ermöglichen es erstmals, die Insulinresistenz zu beeinflussen, die als der initiale Pathomechanismus des Typ-2-Diabetes gilt. Weil die Insulinresistenz häufig nachweisbar ist, bevor der Diabetes manifest wird, erhoffen sich die Diabetologen auch in der Prävention Erfolge mit diesen Wirkstoffen.

Zudem könnte es mit den Glitazonen eventuell sogar gelingen, die Entstehung von Spätkomplikationen bei Diabetikern zu beeinflußen. Dr. Willa A. Hsueh vom Medical Center der Universität von Kalifornien in Los Angeles stellte bei einem Satellitensymposium des Unternehmens SmithKline Beecham (SB) experimentelle Daten vor, nach denen mit diesen Wirkstoffen die Proliferation und Migration von glatten Gefäßmuskelzellen sowie die Entzündungsaktivität von Makrophagen beeinflußt werden kann. Die Wissenschaftlerin schließt daraus, daß Glitazone im Gefäßsystem und an der Niere schützende Effekte entfalten. Für den Wirkstoff Rosiglitazon konnte auch tatsächlich bereits nachgewiesen werden, daß er zum Beispiel in einer Subgruppe von Typ-2-Diabetikern mit Mikroalbuminurie die Proteinausscheidung im Harn senkt.

Der erste Insulinsensitizer war Troglitazon, das in den USA seit etwa zwei Jahren auf dem Markt ist. Allerdings hat die FDA vor wenigen Tagen die Zulassung für diesen Wirkstoff eingeschränkt. Weil es wegen lebertoxischer Wirkungen zu einigen Todesfällen gekommen ist, soll Troglitazon nicht mehr zur Monotherapie verwendet werden.

Fast zeitgleich mit dieser Entscheidung ist in den USA als zweiter Insulinsensitizer Rosiglitazon auf den Markt gekommen. Bei diesem Präparat gibt es keine Hinweise auf Leberschädigungen - der Wirkstoff wird hepatisch über ein anderes Enzymsystem als Troglitazon verstoffwechselt. Beantragt ist die FDA-Zulassung noch für einen dritten Insulinsensitizer, das Pioglitazon.

Im Gegensatz zum Troglitazon, auf dessen Markteinführung in Deutschland nach den ersten Berichten über die seltenen, aber schweren hepatischen Nebenwirkungen verzichtet worden ist, sollen Rosi- und Pioglitazon auch bei uns kommen. Das Unternehmen SB plant die Einführung von Rosiglitazon in Deutschland für Ende 1999. Pioglitazon wird wahrscheinlich Mitte des kommenden Jahres erhältlich sein.

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