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Ärzte Zeitung, 9.2.1999 Diabetes mellitus / Auswertung von Daten des Augsburger Herzinfarktregisters bestätigt die Bedeutung der PrimärpräventionZwei Drittel der Diabetiker überleben Infarkt nichtAugsburg (bös). Fast 70 Prozent der Diabetiker, die einen Myokardinfarkt erleiden, überleben ihn nicht. Daher ist es bei Diabetikern besonders wichtig, schon vor dem ersten Infarkt zu intervenieren und Risikofaktoren konsequent zu reduzieren. Dies ist das Fazit der Epidemiologin Dr. Hannelore Löwel aus einer jetzt von ihr veröffentlichten Auswertung von Daten des Augsburger MONICA-Projektes (Diab Stoffw 8, 1999, 11). Bereits seit 1984 gibt es in Augsburg aufgrund dieses Projekts das Herzinfarktregister. Seit über zehn Jahren verfügen die Forscher dort über Daten zur Prävalenz des Herzinfarkts und mehrerer kardiovaskulärer Risikofaktoren. Löwel hat untersucht, welche Bedeutung in diesem Zusammenhang der Diabetes hat und welche Konsequenzen für den Praxisalltag gezogen werden können. Ausgewertet wurden die Daten von 9622 Patienten mit Myokardinfarkt und plötzlichem Herztod in der Region Augsburg zwischen 1985 und 1994. Der Anteil der Diabetiker unter den Infarktpatienten war erwartungsgemäß deutlich erhöht. In der Gesamtbevölkerung liegt die Diabeteshäufigkeit bei vier bis fünf Prozent, die Rate der Diabetiker unter den Infarktpatienten betrug im Vergleich dazu knapp 25 Prozent bei den Männern und sogar über 38 Prozent bei den Frauen. Löwel hat errechnet, daß die Diabeteserkrankung das Risiko, einen Infarkt zu erleiden, bei den Männern um das fast Vierfache und bei den Frauen sogar um nahezu das Sechsfache erhöht hat. Gleichzeitig wurde die Wahrscheinlichkeit, am Infarkt zu sterben, durch die Stoffwechselerkrankung um 50 bis 70 Prozent gesteigert. 68 Prozent der diabeteskranken Infarktpatienten überlebten die ersten vier Wochen nach dem Ereignis nicht, bei den übrigen Patienten lag die Rate bei 44 Prozent. Die erhöhte Infarktsterblichkeit für Diabetiker blieb bestehen, wenn Faktoren wie Komorbidität, Medikation und Enzymerhöhungen berücksichtigt wurden. Nach Angaben der Epidemiologin verdeutlichen die Daten, wie wichtig bei Diabetikern die frühzeitige und aggressive Reduktion von kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonie, Hypercholesterinämie und -triglyzeridämie ist. Die Risikofaktoren sind nach Auswertung der Daten bei Diabetikern zwischen zwei- und fünfmal häufiger vorhanden gewesen als in der übrigen Bevölkerung. Copyright © 1999 Ärzte Zeitung Email: info@aerztezeitung.de |
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Westfälische Nachrichten, 9.2.1999 Gesunde Kost senkt RisikoWN-Vortrag zum Thema HerzinfarktVon Michael Helmkamp Münster - Unter den Todesursachen in der Bundesrepublik steht der Herzinfarkt mit 48,2 Prozent aller Verstorbenen an der Spitzenposition. Der allseits weit stärker gefürchtete Tod durch eine Krebserkrankung rangiert in der Statistik hingegen »nur« mit 28,1 Prozent auf dem zweiten Platz. Jeder Jahr sterben 85 000 Menschen an den Folgen des Herzinfarktes; der Infarkt trifft sie fast ausnahmslos völlig unerwartet. »Das müßte gar nicht so sein. Es gibt eine Menge Faktoren, die den Herzinfarkt verursachen und die wir durch unser Verhalten, insbesondere durch unsere Ernährung und Lebensweise, beeinflussen können«, erläuterte Prof. Dr. Gerd Assmann vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin in der gemeinsamen Vortragsreihe der Medizinischen Fakultät und der Westfälischen Nachrichten »Vorbeugen ist besser als Heilen« am Montag abend in der vollbesetzten Aula des Schlosses. Die Überlebenschancen für Infarktpatienten scheinen nicht sonderlich aussichtsreich. Nur jeder zweite Patient mit Erstinfarkt überlebt heute trotz enormer medizinischer Möglichkeiten. »Allein 34 von 100 Patienten sterben, bevor sie ein Krankenhaus erreicht haben.« Kaum ein Patient hat nach Prof. Assmanns Angaben vor dem Infarkt etwas über sein Herzinfarktrisiko selber bemerkt. »In fast allen Fällen liegt die Antwort auf die Frage nach den Ursachen in den Laborwerten vor uns«, verweist Assmann auf die im Klinikbetrieb alltägliche labortechnische Spurensuche. Dank der seit 1978 von Prof. Assmann durchgeführten »Procam-Studie« an 35 000 Menschen aus Nordrhein-Westfalen läßt sich heute das individuelle Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall vor allem durch Labortests verschiedener Blutwerte vorhersagen. Die Ergebnisse der laufend aktualisierten Studie sind im Internet verfügbar (Adresse: http://www.chd-taskforce.de) und werden täglich von 1000 Ärzten in der Welt abgefragt. »Jeder niedergelassene Arzt kann für seine Patienten das einzelne Risiko ermitteln.« Ins Blickfeld der Herzinfarktvorsorge sind vornehmlich folgende Faktoren geraten: der Gehalt an LDL- und HDL-Cholesterin im Blut, der systolische Blutdruck, Diabetes, Zigarettenkonsum, Alter und familiäre Belastung. Es sei zu beachten, fügte die moderierende Ärztin Dr. Vera Zylka-Menhorn hinzu, »daß mehrere Faktoren das Risiko nicht nur addieren, sondern, daß sich die Faktoren vielmehr gegenseitig verstärken und das Risiko potenzieren können«. Die sicherste Infarkt- und Schlaganfall-Prävention ist eine herzgesunde Ernährungen. »Spezialdiäten sind mehr oder weniger sinnlos.« Assmann empfahl eine Kost mit einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, weil diese den Cholesteringehalt des Blutes und damit das koronare Risiko wirksam senken. Zudem reduzierten ausreichende Ballaststoffe in der Nahrung das Infarktrisiko. Gesättigte Fettsäuren erhöhten hingegen den Cholesterinspiegel. »Regelmäßiger Sport und eine Vitamintablette in der Woche ist sicher kein Nachteil.« Nützliche Ernährungstips gab abschließend Dr. Ursel Wahrburg. Copyright © 1999 Westfälische Nachrichten |
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