Ärzte Zeitung, 20.4.1999

Typ-2-Diabetes / Bei Nüchternblutzucker-Werten über 150 mg/dl sollte eine Kombinationstherapie begonnen werden

Studien mit Rosiglitazon verlaufen vielversprechend

Wiesbaden (ikr). "Bei Typ-2-Diabetikern, die medikamentös behandelt werden, sollte die Monotherapie bei unzureichender Stoffwechseleinstellung nicht zu lange fortgesetzt werden", warnte Professor Christoph Rosak vom Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt/Main auf dem Internisten-Kongreß in Wiesbaden. Ab Nüchternblutzuckerwerten von etwa 150 mg/dl sollte man auf eine Kombinationsbehandlung umsteigen.

Seine Empfehlung leitet der Frankfurter Diabetologe von den Ergebnissen neuer Studien, allen voran der UKPDS (United Kingdom Prospective Diabetes Study) ab. Doch mit welcher Behandlung sollte bei Typ-2-Diabetikern begonnen werden? "Junge, schlanke Patienten würde ich mit Insulin, übergewichtige hingegen eher mit oralen Antidiabetika wie Sulfonylharnstoffen oder Metformin behandeln, sagte Rosak bei einem von dem Unternehmen SmithKline Beecham unterstützten Symposium. Auch das bisher noch nicht erhältliche Rosiglitazon habe sich in Studien bei bislang nahezu 5000 Patienten in der Behandlung von übergewichtigen Typ-2-Diabetikern als effektiv und gut verträglich erwiesen.

Die neue Substanz ist ein Thiazolidindion-Derivat. Das Besondere daran: Ihr hauptsächlicher Ansatzpunkt liegt in der Peripherie. Sie verbessert die Insulinwirkung, indem sie die Resistenz gegen das Hormon im Muskel- und Fettgewebe verringert, sagte Rosak. Die periphere Insulinresistenz gilt bekanntlich als der entscheidende primäre Pathomechanismus beim Typ-2-Diabetes.

Nach den Ergebnissen einer klinischen Studie bei fast 500 Typ-2-Diabetikern sei mit dem Thiazolidin in einer Dosierung von vier Milligramm täglich der HbA1c-Wert innerhalb von 26 Wochen um 1,2 Prozentpunkte und in einer Dosis von acht Milligramm pro Tag um 1,4 Prozentpunkte im Vergleich zu Placebo gesenkt worden. Allgemeine unerwünschte Wirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Durchfall seien nicht häufiger aufgetreten als unter Placebo. Auch die Hypoglykämierate war nach Angaben von Rosak nicht erhöht. Dosisabhängig kam es bei den mit dem Insulinsensitizer behandelten Patienten zu leichten Ödemen, Gewichtszunahmen und Anämien.

Mittlerweile sind bereits etwa 1000 Patienten mindestens ein Jahr lang mit dem Medikament behandelt worden - mit ähnlich guten Ergebnissen, wie Rosak berichtet hat. Der erste Vertreter der neuen Wirkstoffgruppe ist Troglitazon. In den USA ist es als Rezulin(R) erhältlich. Mit Rosiglitazon und Pioglitazon (eine Substanz von Takeda) sind zwei weitere Thiazolidine in klinischen Prüfungen. Zum Jahreswechsel erwartet das Unternehmen aus München die Zulassung für Rosiglitazon.

Bei mit Troglitazon behandelten Patienten ist in den USA über einzelne Fälle toxischer Leberschäden berichtet worden. Bei den mit Rosiglitation behandelten Patienten habe es bisher keine solchen unerwünschten Wirkungen gegeben.

Copyright © 1999 Ärzte Zeitung Email: info@aerztezeitung.de

Zur Homepage der Ärzte Zeitung

Siehe auch:
Pioglitazon in Japan zugelassen Diabetes Profi
Pioglitazon verbessert sogar das Lipidprofil
Ärzte Zeitung
Glitazone werden in der Leber unterschiedlich verstoffwechselt
Ärzte Zeitung
Hinweise, daß Glitazone Diabetes-Spätkomplikationen beeinflußen
Ärzte Zeitung
Mit neuartigen Antidiabetika wird erstmals die Insulinresistenz beeinflußt
Ärzte Zeitung
Glitazone stimulieren Rezeptor im Fettgewebe Ärzte Zeitung
Studien mit Rosiglitazon verlaufen vielversprechend
Ärzte Zeitung
Aufbruchstimmung durch vielversprechende orale Wirkstoffe   Ärzte Zeitung

 



Seitenanfang
Zurück zu "Nachrichten"

[ Home | Anfang | Diabetes | Angebote | Informationen | DDB Hannover | DDB Niedersachsen | Diabetes im WWW ]

© copyright Wolfgang Sander  Webmaster@Diabetiker-Hannover.de   letzte Änderung: 26.02.2000